HÖRERLEBNIS 47


Netzkabel: HMS Gran Finale SL

Die "finalen" eineinhalb Meter

von Alexander Aschenbrunner

Die Netzversorgung ist das erklärte Lieblingsthema des Leverkusener Diplom-Physikers Hans M. Strassner, dessen Fachbetrieb "Meßtechnik für Forschung und Industrie" (so die genaue Firmenbezeichnung) die bereits bestehende und anerkannte "Energia"-Produktlinie nochmals verbesserte. Mit dem neuen Netzkabel Gran Finale SL ist dies derart gut gelungen, daß ich mit aller Begeisterung wieder einmal die Grundlagen behandeln muß.
Obwohl sich inzwischen in der Hifi-Szene herumgesprochen hat, daß Netzfilterleisten und verbesserte Netzkabel für den Anschluß von Stereoanlagen allgemein als klangfördende Maßnahmen sehr hilfreich sein können, bleibt dennoch die häufigstgestellte Frage bestehen:
"Wie kann es sein, daß gerade das letzte, nur 1,5m (oder 1m) lange Netzkabelstück, von der Steckerleiste zum Gerät, den Klang meiner Anlage verbessert, wenn doch zuvor unzählige Meter einer Standardverkabelung in der Wand lediglich mit einer meist üblichen 1,5-qmm-Leitung versehen sind?"
Zur Verdeutlichung der Problematik nehmen wir exemplarisch das Beispiel einer HiFi-Kette, bestehend aus CD-Spieler und Vollverstärker, gespeist aus einer Wandsteckdose und einer gemeinsamen Steckdosenleiste. Die vom Hausanschluß über den Zähler, die Sicherung, die Wandleitung und zuletzt die Schuko-Wandsteckdose erfolgte Stromversorgung erzeugt an den Steckplätzen der Steckdosenleiste gleiche Bedingungen (elektrisch gesprochen: Potentiale) für beide Geräte. Das bedeutet, sowohl die Spannungsschwankungen der Stromversorgung, als auch die überlagerten Störungen durch andere Verbraucher und Einstreuungen, treffen auf beide Komponenten in gleichem Ausmaß. Gegen diese als Gleichtaktstörung definierte Störungsart sind die angeschlossenen Komponenten innerhalb gewisser Grenzen ziemlich unempfindlich (solange es sich nicht um Hochfrequenz handelt), da keine Spannungsdifferenz zwischen ihnen besteht. Die Situation ändert sich jedoch schlagartig, wenn man den unterschiedlichen Stromfluß zu den Komponenten auf dem letzten Meter Netzkabel von der gemeinsamen Steckerleiste betrachtet.
Was passiert dort? Der CD-Player nimmt konstant eine geringe Leistung auf, unabhängig von der gehörten Musik. Die daraus resultierenden Spannungsabfälle am ohmschen und induktiven Widerstand der verwendeten Netzleitung, den Kontaktübergangswiderständen (siehe hierzu auch meinen Artikel in HE 39: "Strom hin, Strom her") des Schukosteckers und des Kaltgerätesteckers sind in diesem Fall typischerweise eher gering.
Ganz anders verhält sich dies bei einem Leistungsverstärker, gleich ob Voll- oder Endverstärker. Derartige Verstärkertypen nehmen eine deutlich höhere Leistung auf und dieses nun auch noch in unmittelbarer Abhängigkeit zu der gehörten Musik, respektive zu deren Lautstärke und Impulsen. Das kann jeder nachvollziehen. Bei dem zu Test- oder auch Vorführzwecken gerne genommenen "esoterischen Gesäusel" wird dem Verstärker keine Leistung abgefordert, ganz im Gegensatz zu "Fortissomo-Stücken". Hier ist der Spannungsabfall (Spitzenspannung) auf dem Verstärker-Anschlußkabel mit allen Übergangswiderständen (siehe oben) deutlich höher und dabei auch noch ständig schwankend. Es entsteht eine Spannungsdifferenz zwischen den exemplarisch verwendeten beiden Geräten, die sich über die Signalleitungskabel auszugleichen versucht. Technisch wird dieser Zustand als Differenzspannungsstörung bezeichnet. Man mag dazu neigen, diese Problematik aufgrund der mäßigen, meist mittleren Leistungsaufnahmen (wer hört denn wirklich laut und wenn ja, wie oft und wie lange?), bezogen auf den Netzleitungsquerschnitt, sowie unter Nichtbeachtung der Übergangswiderstände (Steckerkontakte) im Grunde zu vernachlässigen. Ein Trugschluß mit hörbar negativen Folgen - die schier unendliche Diskussionen über das Thema "Klangunterschiede durch Netzkabel" ist der Beweis dafür.
Bei der Umwandlung der 230 V/50Hz-Wechselspannung über einen Transformator mit Gleichrichter und Ladekondensator in die notwendige Gleichspannung zur Versorgung der Verstärkerelektronik, entstehen sehr kräftige Stromimpulse. Ein Gleichrichter leitet nur für kurze Zeit eine Halbwelle der Wechselspannung an den Ladekondensator, um diesen nachzuladen. Je nach Konstruktion des Gerätes dauert dieser Vorgang auch noch unterschiedlich lange. Denn wählt der Elektronikhersteller eine besonders geringe Restwelligkeit der Gleichspannung als Ziel, muß der Ladekondensator vergrößert werden, da immer kürzere Ladestromimpulse, die in kürzerer Zeit die gleiche Ladungsmenge befördern müssen, vonnöten sind. Oder auch: die Impulshöhe wird immer größer. Der nur während dieses kurzen Impulses stromliefernde (meist Ringkern-) Transformator entnimmt einen entsprechend seinem Wicklungsverhältnis reduzierten Stromimpuls aus der 230-V-Netzleitung. Dieser Impuls erreicht aber dort immer noch Werte, die locker den 10- bis 20-fachen Nennstromwert übersteigen. So erzeugt beispielsweise schon ein recht normaler Verstärker mit 100 Watt Leistungsaufnahme ganz leicht Stromspitzen von bis zu 10 A und dies periodisch mit einer Frequenz von 100 Hz (man bedenke die Halbwellen).
Wichtig ist auch die Tatsache, daß die Wicklungskapazität zwischen der Primär- und Sekundärwicklung des verwendeten Transformators für die oberwellenhaltige Differenzspannung leitend ist. Betrachtet man die genannten Werte und die Tatsache, daß es sich bei diesen Impulsen um ein stark oberwellenreiches Signal handelt, so wird schnell klar, daß die ohmschen und vor allem die induktiven Widerstände der Netzleitung eine entscheidende Rolle spielen. Nicht zu vergessen sind dabei die Übergangswiderstände der Schuko- bzw. Kaltgerätestecker. Hier bauen sich die Spannungsabfälle proportional zum Widerstandswert der verwendeten Materialien der Netzleitungen auf. Apropos induktiver Widerstand: Dieser wird zumeist unzureichend beachtet. Angesichts des impulshaften Stromflusses ist dies aber ein großer Fehler. Es nutzt nämlich wenig, die Querschnitte der Kabel auf Daumenstärke oder sogar noch dicker zu vergrößern, wenn nicht gleichzeitig die Induktivität drastisch reduziert wird. Genau bei dieser Problematik setzt HMS an. Das selbstgesetzte Entwicklungsziel lautete hierzu: "Möglichst kleine ohmsche Widerstände in Abstimmung mit dazu passendem induktivem Widerstand sowie vernachlässigbare Übergangswiderstände der Steckverbinder (damit die oft nichtlineare Wirkung ohne Einfluß bleibt). Das Ergebnis im Produkt des Gran Finale SL kann sich "hören" lassen. Tiefergehende konstruktive Details kann, darf und will ich an dieser Stelle nicht preisgeben. Der Hersteller bat mich darum - die Zahl der potentiellen "Nachahmer" soll, wie man hört, groß sein ...
Aus den vorausgegangen Erläuterungen kann man ersehen, daß die Störungen durch Differenzspannungen in jeder Anlage zu erwarten sind, gleich in welcher Konfiguration und unabhängig vom Aufstellungsort, denn sie werden selbst erzeugt und sind damit latent vorhanden. Und genau das ist die Erklärung auf die eingangs gestellte Frage ... "die letzten eineinhalb Meter" ... können (Klang-) Verbesserungen bringen. Können deshalb, weil nicht jedes Maß an Störspannung sofort zu einer hörbaren Störung Anlaß ist.

Klangveränderungen - oder doch wirkliche Klangunterschiede?
Die geschätzte Leserschaft findet mich in demütiger Gebetshaltung vor: Kabel "klingen nicht". Spitzenkabel erst recht nicht. Amen! Aber - sie haben einen hörbaren Einfluß auf das Klangverhalten der verwendeten Geräte, indem sie aufgrund ihrer vorhandenen physikalischen Eigenschaften das Signal beeinflussen und damit verändern. Dies drückt sich bekannterweise in einer Verbesserung oder Verschlechterung aus. Das HMS Gran Finale SL verändert ohrenfällig so viel weniger, daß man glauben kann, dies sei das (HiFi-) Finale. Kaum ist es angeschlossen, "leuchtet" die Stereo-Anlage derart schonungslos alle auf dem jeweiligen Tonträger gegebenen Aufnahmesituationen aus, daß der Zuhörer sich unmittelbar in die selbige versetzt fühlt. Das bedeutet: Gute Aufnahmen werden als solche dargestellt, schlechte chancenlos, oder noch besser gesagt: gnadenlos entlarvt. Erwarten Sie deshalb bitte nicht von mir eine "Klangbeschreibung" in der Art: "viel mehr Baß, bis dato ungeahnte Höhen, strahlende Mitten verbunden mit größerem Raum usw."
Eher vielleicht soviel: Hoch vergnügt und schmunzelnd sitze ich vor meiner Anlage. Denn, hier geht nämlich gerade ein (klangliches) High-Light auf - und zwar in jeder (hörbaren) Ecke des Raumes. Auffallend ist die jetzt noch "deutlicher wahrnehmbar" gewordene Luft zwischen den einzelnen Instrumenten. Damit einhergehend steht unmittelbar die Ruhe in der Musik. Das HMS Gran Finale SL öffnet quasi den imaginären Vorhang der Klangbühne nochmals weiter, als es zuvor ohnehin schon der Fall war und ermöglicht dadurch eine mir bislang nicht bekannte Annäherung an die auf dem Tonträger gespeicherten Information. Daß somit auch die Kontrolle des Klanges souverän dargeboten wird, muß ich lediglich der Vollständigkeit halber noch anführen. Aus den oben angeführten Erläuterungen wird deutlich, wo sich das größte Verbesserungspotential innerhalb einer Stereoanlage verbirgt - beim Anschluß an Leistungsverstärkern. Gleich welche Art von gegebener Musik (hören Sie z.B. jetzt einmal klassische Musik, untermalt mit Stimmen), es ist ein echter "Sprung" in Richtung noch besserer Wiedergabequalität. Mit dem Ausdruck des besonderen Erstaunen stelle ich fest, welche Möglichkeiten sich in einer ohnehin schon sehr guten Anlage wirklich noch verbergen. Der wesentliche Unterschied dieses Spitzen-Netzkabels zu allen anderen mir bekannten, durchaus auch erheblich teureren Leitern (da wir im Hörerlebnis niemals vergleichen, schreibe ich nicht, welche Produkte nicht standgehalten haben - und das teils recht heftig) liegt in seiner konstruktiven Beschaffenheit (u.a. 6,0 qmm Litzenleitung) - mit nochmals deutlich verringerten Widerstandswerten - in Verbindung mit seiner Steckerkonfektion. Und, wem auch immer sei Dank, das Gran Finale SL ist alles andere als ein "Monsterkabel" geworden. Die HMS-typische, über alles erhabene Verarbeitungsqualität ist für mich mittlerweile dergestalt normal, daß ich sie mir immer wieder neu ansehen muß, allein das bereitet schon eine tiefere innere Befriedigung in Form von: "ja, erstklassig, das paßt". Bescheiden wie der Hersteller ist, spricht er von einer "gewissen" Einspielzeit. Also gut, es sind nur wenige Stunden. Im Grunde muß der Strom nur einmal fließen, damit sich die beteiligten Moleküle des leitenden Kabelmaterials "formiert" haben, frei nach dem Motto: "da geht's lang".
Fazit: Beginnt diesmal zuerst mit dem Preis. Aufgrund der frappant verbesserten Klangwiedergabequalitäten (aufgemerkt: es kommt klanglich nichts dazu, sondern lediglich alles auf dem Tonträger Vorhandene wird dargeboten) der mit dem HMS Gran Finale SL verbundenen Gerätschaften, rechtfertigt er sich nämlich sofort ohne Zweifel. In Relation zu zum Teil erheblich teureren Stromzuleitungskabeln erweist sich die neueste Netzkabel-Schöpfung aus dem Hause Strassner als überlegen - beeindruckend! So gesehen, ist es regelrecht preiswert. Schon gute CD-Player, im Wesentlichen aber hochwertige Endstufen (natürlich auch Vollverstärker) partizipieren in einer fast unglaublichen Art und Weise von diesem Netzkabel, daß man es einfach ausprobieren muß. Wüßte ich nicht definitiv, daß bei HMS der Buchstabe "M" für Manfred steht, so könnte man fast meinen, er stünde für Hans "Merlin" Strassner. Wenn dieser aus seiner Kabelmanufaktur nicht immer wieder neue "bezaubernde" Produkte hervorbringen würde, die ausschließlich auf der Grundlage von physikalischen Gesetzmäßigkeiten beruhen, so könnte man durchaus geneigt sein, ihn als "Zauberer" zu bezeichnen. Dabei ist in Wirklichkeit das Gegenteil der Fall. Meines Erachtens ist der Diplom-Physiker Hans Manfred Strassner der deutsche Kabelhersteller mit den fundiertesten Kenntnissen der Physik - die er zudem kompromißlos umsetzt; und allein schon daraus ergibt sich der Wert der "finalen" eineinhalb Meter.

AA

Das Produkt:
Netzkabel HMS Gran Finale SL
Preis: 475 Euro.
Andere Längen sind selbstverständlich möglich, Preis bei Anfrage.
Der Hersteller:
HMS-Elektronik Hans-M. Strassner
Am Arenzberg 42
51381 Leverkusen
Fon: 02171 - 734006,
Fax: -33852
E-mail: mail@hmselektronik.com
Internet: www.hmselektronik.com

gehört mit: Analoge Laufwerke: TR-ROTARY Subchassislaufwerk mit gefilterten Netzteil, Keramikkugel, sowie High-Tec-Öl. ACOUSTIC SOLID Bavarian Stone - Masselaufwerk
Arm: SME 309
Systeme: Benz Micro ACE
Phonokabel: HMS GRAN FINALE-Phono GPA, HMS Sestetto Mk II Phono SPB
Phonoverstärker: DIAMOND No. 36 Studio von WBE,
Verbindung Pre/Pre: HMS GRAN FINALE interconnect,
CD-Spieler: TEAC VRDS 25x, tuning bei WBE Trigon RECALL
Vorverstärker: PURIST No. 48 mit Kraftnetzteil POWER No. 48 von WBE,
Endstufen: Fusion No. 400 von WBE, RANK-ZN3306
Lautsprecher: Sehring System 703
Lautsprecherkabel: HMS GRAN FINALE MK II, 2x3 Meter Single Wiring
NF-Kabel: HMS GRAN FINALE interconnect und Top Match Line
Netzverbindung: MFE und HMS Energia SL/OV, Energia-S/SL Top Match Line, sowie Gran Finale SL, Steckerleiste MFE und Eigenbau (parallelgeschaltete und mit Ferrit ummantelte massive Kupferleitungen) Doppel- und Einzel-Schuko-Steckdose von HMS, geschirmte Netzzuleitung, Schmelzsicherung 20A (diese besitzt einen geringeren Innenwiderstand als 16A)
Zubehör: Rack und HiFi-Basen "SOLIDA" von Feines HiFi & S.O., verschiedene Kegel und Aluzylinder in unterschiedlichen Höhen und Durchmessern (Eigenkonstruktionen), Silencer von Future Sound.
gehört in: Raum rechteckig 9,99m x 3,99m (netto 36 qm) Wandaufbau: Keller-Leichtbetonsteinwände (besitzen eine höhere Materialdichte) mit Rauhputz, eine Seite mit Fenstern und Tür, die andere mit mittiger Tür. Decke: Beton mit Rauhfaserspritzfarbe. An der Rückwand Schrank und Regale mit LPs. Die Wand hinter den Lautsprechern ist mit schallschluckenden Bildern (Marke Eigenbau) behängt. Boden: Teppich, an den Fenstern Gardinenschals. Mittig im Raum stehendes Sofa. Akustik - insgesamt leicht gedämpft.